Schwarzmeergrundeln in der Schweiz

Seit einigen Jahren breiten sich Grundeln aus dem Schwarzmeergebiet über europäische Schifffahrtswege aus. 2012 haben wir erstmals die Schwarzmaulgrundel in Basel nachgewiesen, auch die Kesslergrundel hat die Schweiz kurz zuvor erreicht. Beide bodenlebenden Fischarten sind für ihre rasante Vermehrung bekannt.

Unser Interesse gilt:

  • der Biologie der Schwarzmeergrundeln in hiesigen Gewässern (Lebensräume, Nahrungsnetz, Fortpflanzungsverhalten)
  • der Populationsgenetik und den Ausbreitungsmechanismen
  • den ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Invasion
  • den Managementoptionen in der Schweiz

Um diese komplexen Fragen zu bearbeiten, vereint das Grundelteam Kompetenzen aus unterschiedlichen Naturwissenschaften mit wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Herangehensweisen. Derzeit besteht unser Team aus:


Wir sind immer auf der Suche nach engagierten neuen Teammitgliedern.
Offene Stellen

Projekt unterstützt durch BAFU, Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Aargau, Solothurn, Zürich und FoNEW. 


Laufende Projekte

Grundelsperre

Wir untersuchen, ob eine selektive Grundelsperre eine Massnahme zur Verhinderung der Weiterverbreitung sein könnte. Unser Ziel ist es, Daten zur Schwimmfähigkeit von bodenlebenden Fischarten zu erheben. Diese Daten könnten die Grundlage für die Konstruktion einer selektiven Barriere sein. Eingebaut in z.B. Fischtreppen an Querbauwerken könnten solche Barrieren die aktive Ausbreitung von Grundeln flussaufwärts verhindern.

Aquaristik

Ziel des Teilprojekts Aquaristik ist es, herauszufinden, ob die Aquaristik ein relevanter Vektor zur Weiterverbreitung der Grundeln im Rheineinzugsgebiet, speziell in der Schweiz, darstellt. Dafür werden folgende Fragen bearbeitet: Werden Grundeln in Aquarien oder Gartenteichen gehalten und gehandelt bzw. weitergegeben? Werden Grundeln freigelassen bzw. besteht Grund zur Annahme, dass sie freigelassen werden? Werden Grundeln zwischen Angler(innen) und Aquarianer(innen) ausgetauscht und ergibt sich auf diese Weise ein zusätzlicher ‘Loop’, z.B. für Zwischenhälterung von Köderfischen, oder für Verwertung von lebend gefangenen Grundeln? Über die Beantwortung der Forschungsfragen hinaus sollen mit diesem Teilprojekt wissenschaftliche Hintergrund-Informationen für die Entwicklung von Massnahmenempfehlung zur Verfügung gestellt werden können.

Passive Ausbreitung durch die Verschleppung mit Freizeitbooten

Vieles deutet darauf hin, dass Grundeln durch Anheftung von Gelegen an Freizeitbooten passiv verschleppt werden können. Dieser Möglichkeit gehen wir mittels Untersuchungen von Booten in verschiedenen Rheinhäfen und bei Bootsreinigungen, sowie mittels Verhaltensbeobachtungen von Grundeln in Marinas nach. Ausserdem ermitteln wir die Widerstandsfähigkeit von Grundeleiern gegenüber Strömung, Austrocknung und der Behandlung mit Reinigungsmitteln. Diese Forschung soll es ermöglichen, Verhaltensempfehlungen an Bootsbesitzer(innen) zu geben und damit die Möglichkeit der Verschleppung invasiver Grundeln auf diesem Weg so gering wie möglich zu halten.

Monitoring im Hafen Kleinhüningen

Seit 2012 führen wir ein regelmässiges, intensives Populationsmonitoring der Grundeln mit Reusen im Rheinhafen Kleinhüningen durch. Seit der Ankunft der Grundeln im Rhein bei Basel findet das Monitoring mit reduziertem Aufwand (ein mal jährlich), jedoch wie gehabt systematisch und strukturiert statt, um die lokale Bestandsentwicklung der Grundeln weiter zu verfolgen.

Mageninhaltsanalysen

Wir entwickeln DNA-basierte Tests zum Nachweis von Laich- und Larvenfrass heimischer Arten. Grundeln breiten sich vom Rhein her in Laichgewässer wie die Wiese aus. Ob sie dort Eier und Larven fressen, ist unklar, denn diese werden schnell bis zur Unkenntlichkeit verdaut. Mit Hilfe der neuentwickelten Tests werden wir 2018 untersuchen, ob sich Grundeln von Eiern oder Larven von Nasen und Barben ernähren.


Wissenschaftliche Publikationen

2018

Colonizing Islands of water on dry land—on the passive dispersal of fish eggs by birds

Hirsch P.E., N'guyen A., Muller R., Adrian-Kalchhauser I., Burkhardt-Holm P. - FISH and FISHERIES
doi.org/10.1111/faf.12270

2017

A dynamical model for invasive round goby populations reveals efficient and effective management options

N'guyen A., Hirsch P.E., Bozzuto C., Adrian-Kalchhauser I., Hôrková K., Burkhardt-Holm P. - Journal of Applied Ecolog
doi: 10.1111/1365-2664.12934

The round and sand goby mitochondrial genomes reveal patterns of recent evolution and ancient adaptations in gobiid fish

Adrian-Kalchhauser I., Svensson O., Kutschera V.E., Alm Rosenblad M., Pippel M., Winkler S., Schloissnig S., Blomberg A., Burkhardt-Holm P. - BMC Genomics
doi: 10.1186/s12864-017-3550-8

An approach to incorporate individual personality in modeling fish dispersal across in‐stream barriers

Hirsch P.E., Thorlacius M., Brodin T., Patricia Burkhardt‐Holm P. - Ecology and Evolution
doi: 10.1002/ece3.2629

2016

The invasive bighead goby Ponticola kessleri shows large-scale genetic similarities and small-scale genetic differentiation in relation to shipping patterns

Adrian-Kalchhauser I., Hirsch P.E., N'Guyen A., Watzlawczyk S., Gertzen S., Borcherding J., Burkhardt-Holm P. - Molecular Ecology
doi: 10.1111/mec.13595

A tough egg to crack: recreational boats as vectors for invasive goby eggs and transdisciplinary management approaches

Hirsch P.E., Adrian-Kalchhauser I., Flämig S., N’Guyen A., Defila R., Di Giulio A., Burkhardt-Holm P. - Ecology and Evolution
doi: 10.1002/ece3.1892

An eDNA Assay to monitor a globally invasive fish species from flowing freshwater

Adrian-Kalchhauser I., Burkhardt-Holm P. - PLOS One
doi: 10.1371/journal.pone.0147558

2015

What do we really know about the impacts of one of the 100 worst invaders in Europe? A reality check

Hirsch P.E.*, N’Guyen A.*, Adrian-Kalchhauser I., Burkhardt-Holm P. - Ambio
doi: 10.1007/s13280-015-0718-9

Improving invasive species management by integrating priorities and contributions of scientists and decision makers

N’Guyen A.*, Hirsch P.E.*, Adrian-Kalchhauser I., Burkhardt-Holm P. - Ambio
doi: 10.1007/s13280-015-0723-z

2014

The complete mitochondrial genome of the invasive Ponto-Caspian goby Ponticola kessleri obtained from high-throughput sequencing using the Ion Torrent Personal Genome Machine

Kalchhauser I., Kutschera V., Burkhardt-Holm P. - Mitochondrial DNA
doi: 10.3109/19401736.2014.971272

2013

Arrival of round goby Neogobius melanostomus (Pallas, 1814) and bighead goby Ponticola kessleri (Günther, 1861) in the High Rhine (Switzerland)

Kalchhauser I., Mutzner P., Hirsch P.E., Burkhardt-Holm P. - Biological Invasion Records
doi: 10.3391/bir.2013.2.1.14

Das Grundelprojekt in den Medien

2018

2017

2016

2015

2014

2013

2012



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