Forschungsgruppe Inter- und Transdisziplinarität

Die internationale und interuniversitäre Forschungsgruppe Inter-/Transdisziplinarität ist seit 2014 an der Universität Basel am Programm Mensch Gesellschaft Umwelt (MGU) angesiedelt. Sie wurde 1995 an der Universität Bern gegründet und war bis 2013 an der Interfakultären Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ) tätig. Die Forschungsgruppe ist interdisziplinär zusammengesetzt. Das übergeordnete Ziel ihrer Tätigkeiten besteht darin, zur Verbesserung inter- und transdisziplinärer Prozesse beizutragen. Ihre Forschung hat drei sich ergänzende Schwerpunkte: Inter- und transdisziplinäre Prozesse in Forschung und Lehre; Nachhaltigkeit und Konsum; Bildung und Nachhaltige Entwicklung.

Forschung zu inter- und transdisziplinären Prozessen in Forschung und Lehre

In einem interdisziplinären Vorhaben arbeiten Forschende aus verschiedenen Disziplinen zusammen, in einem transdisziplinären Vorhaben arbeiten Forschende aus verschiedenen Disziplinen mit Praxisakteuren zusammen. Rund um Inter- und Transdisziplinarität haben sich sowohl eine reiche Praxis als auch eine stets grösser werdende Forschungstradition gebildet. Forschungstradition und Praxis driften auseinander. Unsere Forschung nimmt eine gesamtheitliche Perspektive ein, d.h. wir versuchen, Theorie und Praxis zu verbinden, den Bogen von der Forschung bis zur Lehre zu schlagen und möglichst sämtliche Aspekte inter- und transdisziplinären Arbeitens in den Blick zu nehmen. Der Fokus unserer Forschung liegt auf Fragen wie den folgenden:

  • Welches sind die Voraussetzungen inter- und transdisziplinären Arbeitens, und wie können solche Voraussetzungen gefördert werden?
  • Welches sind Anspruch und Anforderungen an inter- und transdisziplinäre Vorhaben und welche Aufgaben des Managements stellen sich in solchen Projekten und Projektverbünden? Wie können die Prozesse der Konsensbildung und der Synthesebildung gestaltet werden?
  • Wie kann der Erfolg inter- und transdisziplinärer Projekte und Projektverbünde angemessen beurteilt werden?

Forschung zu Nachhaltigkeit und Konsum

Der Konsum von Individuen kann nicht auf das Beschaffen von Gütern reduziert werden, sondern stellt ein komplexes System von Handlungen und Strukturen dar, die funktionale und symbolische Aspekte gleichermassen aufweisen. Die Idee der Nachhaltigkeit ist grundsätzlich eine taugliche Leitidee für die gesellschaftliche Entwicklung, aber nur, wenn sie in ihrer ganzen Komplexität verstanden und ernst genommen und nicht auf Einzelaspekte reduziert wird. Menschliche Bedürfnisse und die Vorstellung eines guten Lebens sind ein verbindendes Element zwischen Konsum und Nachhaltigkeit. Der Fokus unserer Forschung liegt auf Fragen wie den folgenden:

  • Welche Rolle spielt der Begriff des guten Lebens in der Idee der Nachhaltigkeit, wie müsste eine Theorie des guten Lebens für den Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung aussehen, und wie könnte eine solche Theorie empirisch unterfüttert werden?
  • Was genau bedeutet Nachhaltigkeit im Konsum und wie könnte nachhaltiger Konsum realisiert werden? Welches Potential hat diesbezüglich die Idee von "Konsum-Korridoren"?

Forschung zu Bildung und Nachhaltiger Entwicklung

Nachhaltigkeit in Bildung umzusetzen bedeutet, Menschen jeglichen Alters zu befähigen, Prozesse einer Nachhaltigen Entwicklung in einem kritischen Sinne zu begleiten und mitzugestalten. Lernen ist nicht auf Individuen beschränkt, sondern findet auch auf organisationaler und gesellschaftlicher Ebene statt. Die Wissenschaft ist aufgerufen, Fragen einer Nachhaltigen Entwicklung aufzugreifen. Sie sollte System-, Ziel- und Transformationswissen, das gesellschaftliche und individuelle Lernprozesse in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung unterstützt, erzeugen und zur Verfügung stellen. Der Fokus unserer Forschung liegt auf Fragen wie den folgenden:

  • Welche Kompetenzen helfen Menschen dabei, sich an der Gestaltung von Prozessen einer Nachhaltigen Entwicklung kritisch zu beteiligen, und wie lassen sich solche Kompetenzen fördern?
  • Welche Reflexions- und Diskussionsprozesse unterstützen eine Nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft, und welches sind inhaltliche und methodische Anforderungen an solche Prozesse?

Mitglieder

Mitglieder bei MGU:
Fürspr. Rico Defila, stv. Leiter FG Id/Td
Dr. Antonietta Di Giulio, Leiterin FG Id/Td
Corinne Ruesch Schweizer

Mitglieder ausserhalb MGU:
Prof. em. Ruth Kaufmann-Hayoz (Emerita Universität Bern, Zollikofen)
Dr. Michael Scheuermann (Universität Freiburg i. Br., Deutschland)

Ehemalige Mitglieder:
Philippe Balsiger (heute Universität Erlangen-Nürnberg), Thomas Brückmann (heute Fachstelle UND, Zürich), Marusa Dolanc (heute Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB)), Matthias Drilling (heute FHNW), Christian Maurer (heute Universität Lausanne), Andrea Mordasini (heute SBB), Markus Winkelmann (heute ITAS, Karlsruhe)

Aktuelle Projekte

  • "Reallabore vernetzen, verstehen, verstetigen" – Begleitforschung zum Programm "Reallabore, BaWü-Labs, für eine Forschung für Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg" (2015-2019)
    Finanzierung: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden Württemberg; Projektverantwortung: Fürspr. R. Defila, Dr. A. Di Giulio
  • Beschäftigungspraktische Anforderungen an Hochschulabgänger/innen im Zusammenhang mit Nachhaltiger Entwicklung (Dissertationsvorhaben Corinne Ruesch, seit 2013)
    Finanzierung: Eigenmittelprojekt

Aktivitäten und Dienstleistungen

Weiterbildung/ Beratung:
Die Aktivitäten und Angebote in Weiterbildung, Beratung und Coaching fokussieren auf das Management inter- und transdisziplinärer Projekte und Projektverbünde sowie auf Interdisziplinarität in der Lehre.

Online-Bibliographie:
Die von unserer Forschungsgruppe aufgebaute Bibliographie zu Fragen der Inter- und Transdisziplinarität umfasst mehr als 5000 Titel und steht online zur Verfügung.

Ausgewählte Publikationen

Blättel-Mink B., Brohmann B., Defila R., Di Giulio A., Fischer D., Fuchs D., Gölz S., Götz K., Homburg A., Kaufmann-Hayoz R., Matthies E., Michelsen G., Schäfer M., Tews K., Wassermann S., Zundel S. (Syntheseteam des Themenschwerpunkts "Vom Wissen zum Handeln – Neue Wege zum nachhaltigen Konsum") (2013): Konsum-Botschaften. Was Forschende für die gesellschaftliche Gestaltung nachhaltigen Konsums empfehlen. Stuttgart: Hirzel Verlag. Konsum-Botschaften

Defila R., Di Giulio A. (Hrsg.) (2016): Transdisziplinär forschen – zwischen Ideal und gelebter Praxis. Hotspots, Geschichten, Wirkungen. Frankfurt a. M., New York: Campus Verlag. mehr

Defila R., Di Giulio A. (2015): Integrating knowledge: challenges raised by the "Inventory of Synthesis". In: Futures, 65, Special Issue Transdisciplinarity revisited, S. 123-135. doi:10.1016/j.futures.2014.10.013

Defila R., Di Giulio A. (2015): Methodische Gestaltung transdisziplinärer Workshops. In: Niederberger M., Wassermann S. (Hrsg.): Methoden der Experten- und Stakeholdereinbindung in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Wiesbaden: Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 69-93. doi:10.1007/978-3-658-01687-6_5

Defila R., Di Giulio A. (1999): Evaluating Transdisciplinary Research – Evaluation Criteria for Inter and Transdisciplinary Research. In: Panorama. Special Issue 1/99. download

Defila R., Di Giulio A. (1999): Transdisziplinarität evaluieren – aber wie? Evaluationskriterien für inter- und transdisziplinäre Forschung. In: Panorama. Sondernummer 1999. download

Defila R., Di Giulio A., Drilling M. (2000): Leitfaden Allgemeine Wissenschaftspropädeutik für interdisziplinär-ökologische Studiengänge. Allgemeine Ökologie zur Diskussion gestellt. Bd. 4. Bern: IKAÖ. download

Defila R., Di Giulio A., Kaufmann-Hayoz R. (eds.) (2012): The Nature of Sustainable Consumption and How to Achieve it. Results from the Focal Topic "From Knowledge to Action – New Paths towards Sustainable Consumption". München: oekom.

Defila R., Di Giulio A., Kaufmann-Hayoz R. (Hrsg.) (2011): Wesen und Wege nachhaltigen Konsums. Ergebnisse aus dem Themenschwerpunkt "Vom Wissen zum Handeln – Neue Wege zum nachhaltigen Konsum". München: oekom.

Defila R., Di Giulio A., Scheuermann M. (2006): Forschungsverbundmanagement. Handbuch für die Gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte. Zürich: vdf Hochschulverlag an der ETH Zürich. mehr